Die unsichtbare Seite der Epilepsie
Die unsichtbare Seite der Epilepsie

Die unsichtbare Seite der Epilepsie

Wenn du an Epilepsie denkst, kommt dir vermutlich das eine Bild in den Kopf. Eine Person, die krampfend und zuckend auf dem Boden liegt, und die außenstehenden Personen wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen. Doch was ist, wenn man die Krankheit gar nicht sieht? Wenn sie sich hinter einem starren Blick oder einer Sekunde der Abwesenheit versteckt? Denn in Wirklichkeit ist die Realität der Epilepsie oft viel stiller und gerade deshalb unsichtbar.

Unterschiedliche Arten

Die Wissenschaft unterscheidet grob zwei Arten: Es gibt fokale Anfälle, die nur in einem kleinen Teil des Gehirns entstehen und oft sehr subtil ablaufen in Form von Muskelzuckungen, und generalisierte Anfälle, die das gesamte Gehirn erfassen. Zu den generalisierten Formen gehören der „Grand-mal-Anfall“ mit Krämpfen, die den ganzen Körper betreffen, und die Absence, bei der die Person einfach nur für ein paar Sekunden „weg“ ist.

Während der „Grand-mal-Anfall“ das Bild der Gesellschaft von Epilepsie dominiert, sind es oft die fokalen Anfälle oder Absencen, die das Leben bestimmen. Die Absencen werden auch oft als Tagträumerei abgetan, da die Person für einen Moment wie weggetreten wirkt. Was wie Tagträumerei aussieht, ist in Wirklichkeit ein neurologischer Kurzschluss. Auch fokale Anfälle, die mit Schwindel, Unwohlsein oder kurzen Bewusstseinsveränderungen einhergehen können, werden oft als harmlose Kreislaufprobleme abgetan. Das Problem dabei ist, dass oft das Verständnis fehlt, weil es für außenstehende Personen nicht sichtbar ist. Wer im Job eine Sekunde fehlt, gilt als unkonzentriert, nicht als chronisch krank.

Mann der vor einem unscharfen Hintergrund
Foto von Orhan Pergel auf unsplash

Epilepsie im Alltag

Die Unsichtbarkeit der Krankheit begrenzt sich nicht nur auf den Anfall selbst. Sie begleitet einen immer im Alltag und beeinflusst jeden Bereich des Lebens. Oft bleibt für Außenstehende unklar, warum jemand nicht Autofahren darf oder zum Beispiel beim Schwimmen ständig aufpassen muss. Während andere die Nacht durchfeiern, müssen Betroffene ihre individuellen Trigger, wie Schlafmangel, Stress oder Alkohol, immer berücksichtigen. Meistens sind diese Faktoren eher ausschlaggebend für einen Anfall als flackernde Lichter, was so vielleicht nicht erwartet wird.

Diese ständige Wachsamkeit führt dazu, dass Betroffene doppelt so häufig an Angststörungen oder Depressionen leiden. Hinzu kommt eine medikamentöse Behandlung, die meist ein Leben lang andauert. Diese Tabletten sollen die Anfälle verhindern, bringen aber nicht selten Nebenwirkungen wie Müdigkeit Konzentrations- und Gedächtnisprobleme mit sich. Und wenn es zu einem Anfall kommt, kann dieser Spuren in Form von Verletzungen wie Prellungen, Platzwunden, Knochenbrüchen oder Zungenbissen hinterlassen, welche zur Realität der Erkrankung gehören.

 

Quelle: https://www.epi.ch/ueber-epilepsie/einstieg/anfallsformen/