Psychisches Leid ist oft unsichtbar – genau das macht es so schwer, ernst genommen zu werden: „Wenn ich morgen wieder zur Arbeit muss, laufe ich jetzt raus und lasse mich von einem Auto anfahren, damit ich eine Verletzung habe, die ihr sehen könnt und mir dann glaubt, wie schlecht es mir wirklich geht.“ – Das waren meine Worte, als vor einigen Jahren alles über mir einbrach.
Krank ist krank, ob man es sieht oder nicht
Für die meisten von uns ist es völlig selbstverständlich, sich bei einer starken Erkältung krankzumelden.
Warum wird dies bei psychischen Krankheiten weniger akzeptiert oder sogar verurteilt?
Bei sichtbaren Auffälligkeiten wie z. B. einem Gips erhalten Betroffene schneller Mitgefühl und werden besser unterstützt.
Im Gegensatz dazu werden unsichtbare Erkrankungen, beispielsweise Depressionen oder Angststörungen, oft heruntergespielt oder ignoriert.
Depressionen: Wenn der Arbeitsalltag zur Belastung wird
Im Arbeitsalltag wird die Krankheit oft sichtbar durch z. B. Konzentrationsschwierigkeiten und häufiges Krankmelden. Was Kolleg*innen schnell als Desinteresse interpretieren, ist jedoch ein quälender innerer Konflikt, der für Außenstehende unsichtbar bleibt.
Leider entstehen dadurch typische Vorurteile gegenüber Depressionen, beispielsweise dauerhafte Traurigkeit oder Faulheit.
Wenn du aber mit Depressionen lebst, weißt du, dass diese Klischees nicht der Realität entsprechen. Es ist eher eine erdrückende Belastung, die den Alltag manchmal zur Qual werden lässt.

Angststörungen: Wenn einfache Aufgaben unmöglich werden
Ähnlich geht es Menschen mit einer Angststörung. Diese äußert sich im Beruf zum Beispiel durch starkes Vermeidungsverhalten. Augenscheinlich einfache Aufgaben, wie beispielsweise Telefonate, werden zur unüberwindbaren Hürde. Wenn du mit dieser Krankheit lebst, kennst du die panische Angst vor Fehlern und lebst mit einer permanenten inneren Anspannung. Wenn dir klischeehaft vorgeworfen wird, „aus einer Mücke einen Elefanten zu machen“, wird wieder deutlich, wie wenig Verständnis unsere Gesellschaft für unsichtbare Kämpfe aufbringt.
Unsichtbar oder: Die Maske der Normalität
Auch im Privatleben werden psychische Erkrankungen oft zum Hindernis. Du möchtest deinem Umfeld keine Belastung sein und setzt dafür eine zwanghafte Maske auf, um die Fassade der Normalität aufrechtzuerhalten. Es bleibt oft unsichtbar, was für eine enorme Kraft aufgebracht werden muss, um kleinste soziale Interaktionen oder ganz alltägliche Aufgaben zu erledigen.
Zeit umzudenken: Unsichtbare Krankheiten ernst nehmen!
Wir müssen weg von dem Gedanken, dass nur sichtbare Symptome ernst zu nehmen sind.
Gesundheit umfasst nicht nur den Körper, sondern auch die Psyche!
